Errichtet wurde die Kepleruhr zwischen Dezember 2012 und Juni 2013.

DSC00904Kristallisation der Idee

Grieskirchen liegt in einer leicht hügeligen Umgebung an der Trattnach, welche den Ort in west-/östlicher Richtung durchfließt. Das neue Schulzentrum wurde aus Platzgründen auf dem nördlichen Hügel errichtet. Dabei ergab sich architektonisch eine fensterlose, glatte, großflächige Wand, die auf Grund der Lage prominent über dem Trattnachtal thront und deshalb als solche etwas Unmut in der Bevölkerung ausgelöst hat. Eine Jogging-Strecke führt unmittelbar bei der Wand vorbei und in meinem dabei leeren Kopf spross die Idee einer großen Sonnenuhr: Gemäß

  • Ausrichtung - ziemlich genau Richtung Süden,
  • Lage zur Stadt - Sichtbarkeit der Wand aus der Stadt,
  • Gebäudefunktion - Schule als Stätte der Bildung und
  • Fläche - große Fläche = große Genauigkeit

war die ausgesprochen passend. In weiterer Folge hatte ich Abschätzungen zu der erforderlichen Geometrie des Schattenwerfers gemacht - die große Fläche sollte möglichst ausgenutzt werden. Dann erfolgte eine erste Recherche nach Informationen über mögliche Formen und Aussehen von Sonnenuhren. Dabei stieß ich relativ rasch auf die SW von Helmut Sonderegger, mit der das Standard-Ziffernblatt für die in diesem Fall vertikale Sonnenuhr berechnet werden konnte.

Diese Ideen und Skizzen wurden im April 2012 dem Gemeinderat Grieskirchen präsentiert. Dieser begrüßte einhellig das Vorhaben - somit war der Startschuss zur Umsetzung gegeben.

SkizzeGnomonMitSpiegel 816 576

Planung, Projektstart

Mit der Handskizze besprach ich das Vorhaben mit Laurenz Pöttinger (Metallwerkstätte) und Josef Schindelar (Statiker). Rasch war die mechanische Machbarkeit bestätigt, ein Budgetentwurf für die Errichtung fertig. Weiters wurden auch der "KEPLERUHR" als Marke angemeldet und die Homepage "http://kepleruhr.at / .eu" eingerichtet.

Errichtung - siehe auch Fotogalerie

Montage Gnomon

Im Dezember 2012 wurde an einem Tag mit Schneegestöber und ca. 0 °C der Gnomon an der Schulwand montiert. Nachdem die Stange etwa 70 kg schwer ist konnte zur Montage (Löcher bohren, Schrauben reinschlagen, Fußplatte einfädeln und festschrauben) nur eine weitere Person mit dem Hubwagen hochfahren. Diese Montagearbeiten dauerten ca. 3 h.

Kalibrieraufnahmen und Parameterermittlung

"First Shadow" konnte am 27.12.2012 festgehalten werden. In den Folgemonaten wurde an den raren Sonnentagen der jeweilige Schattenverlauf in Fotoserien erfasst. Dabei mussten auf Grund der leicht schrägen Kameraposition und Linsenverzerrung die Bilder entzerrt werden, um die Schattenpunktpositionen auf der Wand zu den jeweiligen Zeitpunkten genau messen zu können. Im Wesentlichen wurden mit dem Schatten- und Spiegelverlauf vom 15.5.2015 die 12 Parameter der Kepleruhr (Wandabweichung WO, lotrechter Gnomonabstand zur Wand mit den Aufrisskoordinaten sowie die Spiegelazimut und –höhe und lotrechter Spiegelabstand und seitlicher Versatz für Morgen- und Abendspiegel) bestimmt. Dabei wurde so vorgangen, dass durch Parametervariation die insgesamt geringste Abweichung zwischen Schattenmessung und -modell ermittelt wurde. Mit Hilfe dieser Parameter wurde das Ziffernblatt errechnet (siehe Kepleruhr-Berechnung) und mit Farbgebung, Strichstärken, Texten und Symbolen gestaltet.

Markierung und Malerarbeiten

Die Schnittpunkte der Stunden- und Tageslinien wurden von Geometer an der Wand markiert. Schließlich wurde im Juni 2013 das Malergerüst aufgestellt. Das Auftragen der Linien, Texte und Symbole nahm 2 Wochen mit abschließender Hitzeperiode mit 33 °C im Schatten, aber situationsbedingt bei praller Sonne in Anspruch. Rechtzeitig vor der Sommersonnenwende am 21.6.2013 war das Gerüst abgebaut und die Kepleruhr somit fertig gestellt.

Beteiligte Firmen

Das Projekt wurde und wird von der Stadtgemeinde Grieskirchen getragen. Die erforderlichen finanziellen Mitteln wurden dabei aus dem Topf "Kunst am Bau", für den gemäß Bauordnung ein bestimmter Anteil der Gesamtentstehungskosten für das Neue Schulzentrum bereitgestellt werden muss, beglichen. Folgende Firmen wirkten an der Entstehung mit:

  • Kurt Niel - NIELtech, Grieskirchen (Idee, Projektleitung)
  • Josef Schindelar, Grieskirchen (Statik)
  • Pöttinger Metallbau, Taufkirchen (Herstellung und Montage Gnomon)
  • Bauabteilung der Stadtgemeinde, Grieskirchen (Hebebühne)
  • Johann Reifeltshamer Geometer, Grieskirchen (Markierung Ziffernblatt)
  • Höllwert Malerbetrieb, Grieskirchen (Bemalung)
  • Minihuber Design, Grieskirchen (Textschablonen).
   
© NIELtech

Login